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Engel

 

"Engel" von Anja Hilling

          

 

 

Ein ironisch-melancholisches Kaleidoskop menschlicher Begegnungen

Regie: Simone Schatz

Die Autorin Anja Hilling sagt über ihr Stück „Engel“, dass sie – die sonst Gefühle in ihren Texten nur zwischen den Zeilen zulässt – die Figuren auch mal aussprechen lassen wollte, was sie spüren. Sie wollte der Frage nachgehen: „Wie zärtlich können wir übereinander denken?“ Für die Theaterwerkstatt AllgäuPfeffer e.V. aus Kempten der ideale Stoff, um gemäß ihrer Tradition modernes, berührendes Theater zu zeigen. Unter der Regie von Simone Schatz fügen 14 SchauspielerInnen und eine sechsköpfige Live-Band – alle aus dem Raum Kempten-Oberallgäu - den energiegeladenen Reigen von 23 Szenen in ein Ganzes, leben in dem ironisch-melancholischen Text ihre verzahnten Figuren und versuchen die Hillingsche Frage nach Zärtlichkeit zu beantworten. Das Stück feiert am 16. April 2010 im Theater in Kempten Premiere.

Wer weiß schon, was ein Engel sein soll. Oder wo man so was wie einen Engel trifft. Also muss man zu jeder Zeit damit rechnen und überall, nachts in einer Bar, am helllichten Tag auf einer U-Bahn-Treppe, in einem Tätowierstudio oder in einem polnischen Hotel. Doch wie soll man erkennen, dass einer so was wie ein Engel ist, wenn er es ja nicht einmal selber weiß. Asta arbeitet in einer Bar und nur der Tresen trennt sie von den unbegreiflichen, verletzten, verletzlichen Menschen, die die Dauer eines Cuba Libre oder eines Biers miteinander teilen, nicht mehr, manchmal doch.

Da ist etwa Hardy, der Elisabeth am Strand von Polen hat sterben sehen. Sie wiederum taucht in der Bar auf. Da ist Hanno, der seine Frau verloren hat und jetzt seine Tochter Heike mit all seiner Liebe erdrückt. Da ist Axel, der mit Ulla vor vielen Jahren das Glück gefunden hat, 19 Jahre später will er es wieder aufleben lassen. Ein Text wie ein Kaleidoskop, ein Stück wie ein Reigen – mit Momenten der Melancholie, Ironie und Absurdität verpackt in die Alltäglichkeit normaler Menschen mit ihren normalen Neurosen.

Es geht um Zärtlichkeit, ja, aber vor allem stellt die Kemptener Theatergruppe die individuelle Erinnerung und Wahrnehmung jedes einzelnen Protagonisten in den Mittelpunkt. Es entsteht ein Gewimmel an Menschlichkeiten, Widersprüchen, Verletzungen und Gedanken, Gefühlen und Leere, deren Fäden sich in der Bar wieder finden, ineinander laufen, verwirrt und – geleitet von der unbeschreiblichen Asta - entwirrt werden mit dem Ziel Heil(ung) zu stiften.

Die Figuren sind bewusst menschlich gezeichnet, sie bilden eine Projektionsfläche für den Zuschauer, der Beobachter und Beobachteter zugleich ist. Damit wird die Brücke geschlagen zum Erfolgspsychologen Oliver Sacks, den die Autorin im Vorwort zitiert: Wie persönlich ist Erinnerung? Was ist individuelle Wahrnehmung? Die (Er-)Lösung bleibt dem Zuschauer: Welches Gefühl, welche Deutung der verschiedenen Wahrnehmungen, mit welcher Erinnerung er das Theater verlässt, ist seine ureigenste Entscheidung.

Die sechsköpfige Band „BadClub“ performed live auf der Bühne mit – da gibt es bekannten Rock, Pop und Underground, sorgsam verstärkend ausgewählt von der Autorin, umgesetzt von Bandleader Stefan Erb mit eigenen Arrangements.

Special Guest: BADCLUB

 

(von links) Margarethe Müller-Berz, Stefan Erb, Fabian, Reiner Braun, Sara Müller, Bini Herlein (vorne)

 

Fotos

 

 

 



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